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Pink Elephants

Deutschland 2017 / Dokumentarfilm / 92 Minuten / Regie: Susanne Bohlmann / ab 12 Jahren freigegeben

Regiekommentar

»Als ich vor einigen Jahren die erste Aufnahme für „Pink Elephants“ gedreht habe, war mir nicht bewusst, wie viel Energie, Zerrissenheit und Konflikt mich dieser Film kosten wird. Natürlich war das Thema ganz meine Welt, denn auch ich war Schauspielerin und hatte den gleichen Traum wie viele der Protagonisten. Die Arbeit an diesem Film hat mich verändert. Ich entdeckte meine Liebe zum Dokumentarfilm und verlor meinen Wunsch Schauspielerin zu sein.

Nach den ersten drei Stunden in Bernard Hillers Masterclass wurde mir schlagartig bewusst, wie wichtig dieser Film werden würde. Noch nie durfte jemand in solchen Workshops filmen und was dort passiert, wirft existenzielle Fragen auf, die nicht nur Schauspieler, sondern uns alle betreffen. Brauchen wir einen Führer? Wie viel Abhängigkeit ist gesund? Gibt es positive Manipulation? Sollten wir wirklich unser Gehirn komplett ausschalten, um allein unser Herz sprechen zu lassen? Sollte ein guter Lehrer nicht zur Selbstständigkeit erziehen? Wie funktioniert die Dynamik in einer Gruppe und wo ist die Grenze zwischen guter Führung und Machtmissbrauch?

Nach jeder Masterclass war ich klüger und dümmer zugleich. Ich war hingezogen und abgeschreckt. Vor allem aber habe ich diskutiert, manchmal lauter, manchmal leiser und immer wieder neu. Egal, wie ich zu Hiller und seinen Methoden stehe – er bewegte mich zum Nachdenken. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, wie ich über mein Leben und meine Träume nachgedacht habe, über die Möglichkeiten, die ich verpasst habe und über das wunderbare Gefühl, Menschen wirklich zu helfen. Aber in der Konsequenz dieser Gedanken wurde auch immer deutlicher, dass Schauspiel, Ruhm, Geld und Hollywood nicht das Ziel sein können. Dass Abhängigkeit, in welcher Form auch immer, ein Einschnitt in die doch so notwendige Freiheit bedeutet.

Viele erzählten mir, wie Bernie sie gerettet hat. Wie sie ein tristes und ängstliches Leben geführt haben und durch seine Masterclass ihr Glück gefunden haben. Manche brachten mich zum Weinen, manche zum Lachen, manchmal fühlte ich Scham. Aber so sehr ich mich auch von den Schauspielern abgrenzen wollte, es funktionierte nicht. Die meisten waren keine Lemminge. Sie waren reflektiert und sich ihrer Verletzlichkeit völlig bewusst. Sie hatten die Entscheidung getroffen, sich auf die Masterclass einzulassen. Warum auch nicht! Ich begann zu begreifen, dass wir alle unsere Knöpfe haben, unsere Schwachstellen, unsere Dämonen. Und ja, dadurch sind wir alle verwundbar.

Viele der Teilnehmer erleben in diesen Tagen des Workshops Gefühle, die sie noch nie erlebt haben. Und sie tragen diese Erfahrung in ihr weiteres Leben. Manche haben nach der Masterclass schwerwiegende Entscheidungen für ihr Leben getroffen. Ob sie das je bereut haben, weiß ich nicht. Der Effekt war jedenfalls riesig, in beide Richtungen. Ich hörte auch Geschichten von Enttäuschung, Instrumentalisierung und Sekten-Methoden. Vieles war nicht greifbar oder nachweisbar. Viele trauten sich nicht, offen mit mir zu reden. Obwohl es niemand so richtig aussprach, spürte ich die Angst, Hiller könnte einen negativen Einfluss auf die eigene Karriere haben. Ist man doch als Schauspieler so abhängig von der Meinung der anderen, von Empfehlungen und von Unterstützung. Die Branche ist klein und Ausgrenzung kann das Ende bedeuten.

Ich habe viele Vorurteile abgelegt und neue aufgebaut, habe intensiv beobachtet und im monatelangen Schnitt jedes Wort und jede Methode analysiert. Eines wurde dabei für mich immer klarer: Dies ist keine Geschichte, die eindeutig schwarz oder weiß ist. Sie reißt Themen an, die uns alle angehen: Glück – Erfolg – Freiheit – Liebe. Ich glaube, dass während dieser Achterbahn der Gefühle, in der Ambivalenz der Wahrnehmungen und zwischen Himmel und Hölle irgendwo eine Antwort liegt. Eine individuelle Wahrheit, die nur der Zuschauer für sich selbst beantworten kann.«

Susanne Bohlmann