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Sorry Genosse

Deutschland 2021 / Dokumentarfilm / 94 Minuten / Regie: Vera Brückner / ab 6 Jahren freigegeben

Regiekommentar

VERA BRÜCKNER ÜBER „SORRY GENOSSE“

1988 geboren, ist mir die Vorstellung eines geteilten Deutschlands fremd. Aufgewachsen in einer Welt, die von amerikanischem Optimismus und Einfluss geprägt war, kannte ich viele Jahre den Begriff der DDR gar nicht. Im Alltag begegneten mir eher McDonald’s, MTV oder die Simpsons. Von einer Mauer war nie die Rede, obwohl sogar meine Großmutter aus der DDR geflohen war. Im Fokus meiner Arbeit als Filmemacherin steht die Geschichte, wobei meine häufig experimentierfreudige Form immer dem Inhalt folgt. Als Karl-Heinz, der Vater meines damaligen Partners, bei einem Familienessen seine Stasi-Akte hervorholte und salopp sagte, er habe mal vor langer Zeit daran gedacht, dass diese Geschichte ein Filmstoff sein könnte, spitzte ich meine Ohren. Je mehr ich mich dann mit dem Stoff befasste, umso mehr wuchs meine Faszination für die Fülle an erzählenswerten Details. Aber mir wurde auch klar, dass für den Film eine starke Reduktion dieser zahlreichen, wunderschönen Irrungen von Nöten war. Ich beschloss, die Geschichte auf einen Punkt zu bringen: Karl-Heinz und Hedis Liebesgeschichte über die Mauer hinweg und ihre irrsinnig komplizierte und riskante Flucht. Das alles passierte zu einer Zeit, in der die jungen Menschen überall in Aufruhr gerieten und die Welt, in der sie lebten, nicht mehr hinnehmen wollten: eine Welt, in der Hedi und Karl-Heinz zwischen zwei Großmächten gefangen waren, die ein Zusammensein für sie unmöglich machten. Auch 50 Jahre später stellen wir unsere Gesellschaftsordnung immer wieder in Frage und sollten nicht müde werden, dies kritisch und offen zu tun.

Mitten in den Vorbereitungen zu „Sorry Genosse“ begann uns die stetig anwachsende Pandemie zu überrollen. Voller Tatendrang standen wir in den Startlöchern, um mit den fast 70-jährigen Protagonist*innen eine Reise durch Deutschland und Rumänien zu beginnen. Dann wurde uns langsam klar, dass wir unseren Drehplan auf keinen Fall absolvieren konnten. Schließlich, „against all odds” haben wir als kleines Team dann doch Mittel und Wege gefunden, den Film zu realisieren – diesen Spirit hat das Projekt in keiner Phase verloren. Mit vereinten Kräften haben wir am Ende einen Film erschaffen, der mir selbst nach vielmaligen Schauen noch große Freude bereitet. Auch darüber, dass ich mit diesem Film viele Experimente wagen konnte, die man sich vor allem bei einem Abschlussfilm einer Filmhochschule traut – und wie ich finde, trauen sollte – bin ich sehr glücklich.